Schüleraustausch mit Israel 2014

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Seit nunmehr drei Jahren erfolgt ein jährlicher Schüleraustausch mit unserer Partnerschule „Makif Vav“ in der israelischen Stadt Beer Sheva, die auch Partnerstadt von Wuppertal ist. An diesem Austauschprogramm nehmen insgesamt drei Wuppertaler Schulen teil: die Gesamtschule Else Lasker-Schüler, das Gymnasium Bayreuther Straße und wir als Pina-Bausch-Gesamtschule.
Im April 2014 waren Schüler und Schülerinnen der Makif Vav Highschool im Rahmen des Schüleraustausches mit zwei Lehrern für eine Woche bei uns in Wuppertal zu Besuch. Die israelischen Schüler und Schülerinnen waren bei Gasteltern untergebracht. Am 30.6.2014 startete unser Gegenbesuch. Insgesamt acht Tage, vom 30.6. bis zum 7.7.2014, besuchten nun elf Schülerinnen und Schüler der „Pina“ Beer Sheva und wurden ihrerseits von den israelischen Schülerinnen und Schülern beherbergt. Die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit den nun schon bekannten israelischen Schülerinnen und Schülern sowie den israelischen Lehrerinnen und Lehrern war groß. Wie die folgenden Berichte zeigen, war diese Vorfreude absolut berechtigt.

Die Anreise

Am Sonntag landeten wir nach einem entspannten Flug in Tel Aviv auf dem Flughafen Ben Gurion. Dort erwarteten uns bereits unsere israelischen Kollegen und nach einer sehr herzlichen Begrüßung ging es im Bus weiter nach Beer Sheva. An unserer Partnerschule sahen sich dann die Schülerinnen und Schüler beider Schulen endlich wieder und fuhren nach dem Ausladen des Gepäcks mit den Austauschschülern zu ihren jeweiligen Gastfamilien. Wir Lehrer wurden in einem kleinen Hotel in der Nähe der Makif Vav Schule untergebracht.
In den darauffolgenden Tagen erwarteten uns viele interessante Programmpunkte.
So trafen sich am Montag alle zur Begrüßung in der Makif Vav Highschool. Die israelischen Schülerinnen und Schüler zeigten als Willkommensgruß für uns einen Film über ihren Besuch in Wuppertal. Dabei nahmen sie Bezug auf verschiedene Aktionen und Ausflüge während ihres Aufenthaltes hier bei uns. Die Musik zum Film versetzte auch den letzten von uns in gute Laune. Anschließend wurden alle Wuppertaler zur Begrüßung durch die Bürgermeisterin ins Rathaus gefahren.

Besuch des Carosso Science Parks

Dieser Park wurde 2013 mitten im Zentrum von Beer Sheva eröffnet und beeindruckt schon durch seine Größe. Ziel der Gründung ist es, dass Interesse an Naturwissenschaften und Technologie zu fördern. Dies erreicht man, indem an allen Stationen des Wissenschafts- und Technologieparks die Möglichkeit zur Interaktion zwischen Besuchern und der Ausstellung besteht. Von dieser Möglichkeit machten wir im Rahmen einer zweistündigen Führung regen Gebrauch.

Fahrt nach Tel Aviv

Für uns alle sehr interessant war der Besuch Tel Avivs und der Altstadt von Jaffa. Tel Aviv ist eine hochmoderne Stadt mit etlichen Hochhäusern. Hier erreichen und verlassen Besucher über den Flughafen Ben Gurion den Staat Israel; hier sind viele Banken und die Börse Israels angesiedelt.
Für uns noch interessanter war aber sicher der Besuch des Basars, der sich mitten im hochmodernen Tel Aviv befindet. Durch den überdachten Markt schlängelt sich ein schmaler Weg den Berg hinauf. An den Ständen werden fast alle Dinge des täglichen Bedarfs, z. B. duftende Gewürze, Obst und Gemüse, Fertigessen, Nüsse und Kleidung und sogar Möbel und Bilder angeboten. Nach einem zweistündigen Aufenthalt auf dem Basar statteten wir Jaffa einen Besuch ab. Hier ging es nun durch kleine Gässchen den Berg hinauf. Von einem Aussichtspunkt aus hatten wir einen guten Blick auf das moderne Tel Aviv mit seinen Sandstränden. Jaffa bestand bereits in der Antike und wurde als Hafenstadt genutzt. 1950 wurden Tel Aviv und Jaffa eine gemeinsame Stadt. Da der Weg in der Sommerhitze den Berg hinauf doch sehr beschwerlich war, waren alle über eine Erfrischung im Mittelmeer höchst erfreut.

Abkühlung im Toten Meer

Einen weiteren Programmpunkt haben wir ebenfalls alle sehr genossen: Nach einer fast zweistündigen Bustour durch den Negev, eine absolut karge Wüstenlandschaft, erreichten wir das Tote Meer. Das Tote Meer, ein abflussloser See, liegt 428 Meter unter dem Meeresspiegel und gilt somit als der tiefste Punkt der Erde. Dort herrscht trockenes Wüstenklima und wir alle empfanden es auch dementsprechend als extrem heiß. Da war ein Bad im Toten Meer eine Wohltat, auch wenn die Wassertemperatur im August bei ca. 31 Grad Celsius nicht unbedingt für eine richtige Abkühlung geeignet war. Dennoch war das entspannte Auf-dem-Wasser-Liegen eine Wohltat und auch die anschließend gereichten Wassermelonen genossen wir sehr.

Besuch des Holocaust Museums Yad Vashem (gegründet 19. August 1953)

Der Besuch dieser Gedenkstätte in Jerusalem hat keinen von uns unbeeindruckt gelassen. Diese größte Gedenkstätte erinnert an den Holocaust und dokumentiert ihn wissenschaftlich. Unsere Museumsführerin zeigte uns das „Museum zur Geschichte des Holocaust“: Dies dokumentiert in neun unterirdisch angelegten Galerien die Geschichte der Judenverfolgung und -vernichtung anhand von Videoinstallationen, Fotografien, Kunstwerken und anderen Exponaten. Sehr bedrückend ist die „Halle der Namen“. Hier werden die Namen und die persönlichen Daten der jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Massenmordes gesammelt und ausgestellt – oft die einzige Erinnerung an die Opfer. Als nicht weniger bedrückend habe ich das 1987 errichtete „Denkmal für die Kinder“ empfunden. In einem lichtlosen Raum werden 5 Kerzen so reflektiert, dass ein ganzer Sternenhimmel, ein Symbol für die Seelen der Kinder, entsteht. Im Hintergrund werden von einem Tonband die persönlichen Daten der ermordeten Kinder abgespielt. Dieses Endlosband braucht etwa drei Monate, um die Namen aller Kinder wiederzugeben. Zum Abschluss haben wir noch die „Allee der Gerechten“ besichtigt, bevor wir mit dem Bus in den Westteil von Jerusalem gefahren sind. Von einem hoch gelegenen Aussichtspunkt hatten wir einen guten Überblick über die Stadt, aber auch auf die Mauer, die den Gazastreifen umgibt (siehe Foto).

Ausflug nach Mitzpe Ramon

Den Samstag verbrachten die Schülerinnen und Schüler in ihren Gastfamilien. Die Lehrer hatten sich von ihren Gastkollegen einen Ausflug in die Wüste gewünscht. In einem Kleinbus ging es am Samstagmorgen los. Mitzpe Ramon ist ein Ausflugsziel mitten in der Negev. In einem großen Touristenzentrum wurden wir anhand eines Films über geologische und biologische Gegebenheiten der Wüste informiert. Von der Terrasse des Touristenzentrums hat man einen spektakulären Blick über den Ramon Krater mit seiner Wüstenlandschaft. Mitten in der Wüste hat Gen Gurion einen Kibbuz gegründet. Ben Gurion, israelischer Staatsgründer und Ministerpräsident, verfolgte den Traum, die Wüste zum Blühen zu bringen. Kommt man in den Ben Gurion Kibbuz, scheint ihm dies in einem kleinen Teil der Wüste gelungen zu sein. Verblüfft registrierten wir das Grün und die grasenden Gazellen inmitten der Wüstenlandschaft (siehe Foto unten).

Fazit

Wir alle erlebten in der Woche viel. Das wesentliche Ziel des Schüleraustausches haben wir mit Sicherheit erreicht: Intensive Beziehungen zwischen den Schülern, den Kollegen, den beteiligten Schulen, den Ländern und den verschiedenen Kulturen herzustellen und zu vertiefen. So sagten fast alle Schüler in einer Abschlusssitzung, dass sie den Austausch als sehr bereichernd empfunden hätten und nach Möglichkeit noch einmal nach Israel fliegen wollten. Was wir vorher nicht wissen konnten, war, dass sich die aktuelle Sicherheitslage in Israel während unseres Aufenthaltes deutlich veränderte. In den Gesprächen mit den Schülern gaben diese an, dass die verschlechterte Sicherheitslage sie nicht allzu sehr beeinflusst habe. Dennoch werden wir für den weiteren Austausch mit Israel die dortigen Entwicklungen sehr genau beobachten. Wir hoffen auf eine schnelle Verbesserung der politischen Situation und hoffen, dass wir auch 2015 wieder einen Austausch durchführen können.

Elke Thiel / Stefan Mertens
(durchführende Lehrer des Schüleraustauschprogramms)

Siehe auch:

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