Studienfahrt Weimar/Buchenwald

Begegnung mit der Kälte

„Ich wollte es sehen, aber dann eigentlich auch nicht”, schildert Mandy aus der 10d ganz offen den Widerspruch ihrer Gefühle bei der Besichtigung des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald. Der Ort des Grauens. Unfassbar. Bilder von Leichenbergen. „Das alles zu sehen macht traurig, macht wütend und es belastet mich”, räumt die Gesamtschülerin ein. „Aber bereut habe ich meine Teilnahme an dieser Studienfahrt nicht.”

Dort, wo am 19. April 1945 überlebende Häftlinge auf dem Appellplatz das erste Denkmal im befreiten Konzentrationslager errichtet hatten, befindet sich das Denkmal für alle Häftlinge des Konzentrationslagers. Eine schlichte Metallplatte mit den Namen von 50 Nationen in alphabetischer Reihenfolge ist in die Erde eingelassen; der Mittelteil wird auf 37 Grad, auf menschliche Körpertemperatur, erwärmt.

(Entwurf: Horst Hoheisel)

Eine Gruppe von 23 Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Vohwinkel besuchte im Januar 2007 Weimar und die Gedenkstätte Buchenwald. Ein Projekt, dass die Vohwinkler nun schon zum  fünften Mal interessierten Zehntklässlern und Oberstufenschülern anbieten. Vier Monate lang wurden die Teilnehmer auf die Begegnung mit diesem schwierigen Teil deutscher Vergangenheit anhand von Arbeitsblättern und Informationsmaterial über das Lager und die NS-Zeit vorbereitet. „Aussonderung von Randgruppen in politischen Systemen am Beispiel des Dritten Reiches” – ist das fächerübergreifende Thema, und ein aktuelles Thema zugleich.

Das Programm vor Ort gestalteten in diesem Jahr Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald, und zwar ganz individuell nach schriftlich festgehaltenen Eindrücken der Wuppertaler Besuchergruppe im Anschluss an einen ersten Rundgang durch das Lager. „Wie können Menschen anderen Menschen so etwas antun?”, fragt Jusiane aus der 10c angesichts der Konfrontation mit der historischen Stätte. Die Anwesenheit im Krematorium hat sie besonders beeindruckt. Martin ist fassungslos. „Warum hat niemand etwas unternommen?”

„Diese Reise soll die Schüler sensibilisieren für das Leid der Opfer und dafür, was Zynismus den Menschen antun kann”, erklärt der Religionslehrer Martin Schumacher als Leiter der Studienfahrt. Nähe erfahren zu den Untaten, zu der Qual der KZ-Häftlinge.

Auf dem Appellplatz im Lager konnten die Schüler diese Nähe plötzlich spüren. Frostige Januar-Temperaturen. Minus sieben Grad. „Da war es kalt…” – eine vielsagende Feststellung. „Wie schlimm muss es für die Insassen damals gewesen sein?” In der dünnen Lagerkleidung. Morsal (Jahrgangsstufe 11): „Wir hatten immerhin warme Jacken an…”

Jusiane hat sich vorgenommen, die Gedenkstätte ein zweites Mal zu besuchen. Um wirklich alles zu sehen. „Unser weiteres Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler bei dem Erlebnis des Monströsen nicht stehen bleiben”, betont Martin Schumacher, „sondern zu Energie finden für Toleranz und demokratische Umgangsformen.”