Schüleraustausch mit Israel 2013

Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Vohwinkel und der Gesamtschule Else Lasker Schüler sowie vom Gymnasium Bayreuther Straße haben vom 22. bis 29. April 2013 zum zweiten Male im Rahmen eines Schüleraustausches eine Reise nach Be’er Sheva, der israelischen Partnerstadt Wuppertals, unternommen. Die Teilnehmer der Gesamtschule Vohwinkel waren bei Gastfamilien der Makif Vaf Highschool in Be’er Sheva untergebracht.
In Makiv Vaf (wörtlich „Schule des Wohnquartiers 7“) werden 1600 Schüler ab der Jahrgangsstufe 7 bis zur Abschlussklasse 12 unterrichtet. Die Schule legt einen thematischen Schwerpunkt auf den Tanz und stellt jedes Jahr eine eigene Produktion auf die Beine. Ein weiterer Schwerpunkt ist ein Kurs in Filmproduktion. Der Highschool ist zudem eine Gehörlosenschule angegliedert.
Wie die folgenden Tagesberichte von unserem Lehrer Frank Bühler-Haußmann zeigen, war die Reise ein voller Erfolg – trotz mancher Anstrengungen. Schon jetzt herrscht Vorfreude auf unsere Gäste aus Israel, die uns im Juli 2013 besuchen werden.

Montag 6.00 Uhr, Wuppertal, die erste Überraschung: Eine Schülerin meldete sich krank und konnte nicht mitfliegen. Flug und Einreise nach Israel waren diesmal problemlos. Durchwinken statt zeitraubender Passkontrolle. Der Grund: Wegen eines Streiks musste das Flughafengebäude komplett geschlossen werden. Glück gehabt!
Unsere Gesamtgruppe mit 33 Personen wurde anschließend von israelischen Kollegen im Flughafen Ben Gurion herzlich begrüßt. Mit dem Bus ging es nach Be’er Sheva, wo wir an die jeweiligen Schulen verteilt wurden. Vertraute Gesichter erwarteten uns Vohwinkeler an unserer Partnerschule: Matty, die Schulleiterin von Makif Vaf, und Irit, die gute Seele des Projektes. Sogar einige Schüler des letzten Austauschjahrganges waren zur Begrüßung gekommen. Alle freuten sich sehr uns wiederzusehen.
Nach unserer Unterbringung in Bet Yatsif, einem kleinen Kulturzentrum am Rande der Altstadt Be’er Shevas, wurden die Betreuer Stefan Mertens und ich zusammen mit Allelah, der für uns zuständigen Lehrerin, und ihrem Ehemann Nissim ins Cafe Hillel ausgeführt. In Israel ist es übrigens üblich jeden mit dem Vornamen anzusprechen.
Die Routine für die nächsten Tage: 7.00 Uhr Frühstück, 7.45 Uhr Transport zur Schule durch Rachel, der zweiten für uns zuständigen Lehrerin.


Der Dienstag begann mit einer Kennenlernrunde im schuleigenen Filmstudio sowie der Vorführung eines selbstproduzierten Filmes über die schulischen Ereignisse und Produktionen des letzten Jahres. Schließlich wurden Volkstänze für den gemeinsamen abendlichen Abschluss eingeübt. Es schloss sich eine Führung durch die Schule an.
Am Nachmittag besuchten die kombinierten Schulen gemeinsam die Einrichtung Bet Yad Lebanim, eine Gedächtnisstätte für die Gefallenen aus Be’er Sheva. Jede Stadt in Israel verfügt über solch einen Erinnerungsort. Neben der bloßen Besichtigung berichtete der Vater eines ehemaligen Schülers von Makif Vaf in einem ergreifenden Vortrag über seinen im Gazakrieg gefallenen Sohn. Allerdings hinterließ der Vortrag auch gemischte Gefühle, da nicht über die möglichen Ursachen der persönlichen Katastrophe gesprochen werden konnte.
Zur Auflockerung ging es dann zum Rollstuhlbasketball in ein neu erbautes Rehabilitationszentrum israelischer Veteranen am Stadtrand. Dort berichtete ein Veteran des Jom Kippur Krieges über die Integration behinderter Veteranen in die Gesellschaft Israels.
Eine Wanderung zum Hativ Hanegev Monument beschloss das gemeinsame Programm. Hier konnten wir den Sonnenuntergang über Be’er Sheva genießen. Makif Vaf spendierte Pizza für alle und die Gruppen tanzten gemeinsam einige Runden über den Parkplatz.


Am Mittwoch besuchten wir zwei Grundschulen mit künstlerischem Profil, die uns eindrucksvolle Tanzchoreographien vorstellten. Höhepunkt des Tages war zweifellos der Besuch der Schauspielschule in Be’er Sheva. In einem dreijährigen Kurs werden hier insgesamt 45 junge Leute zu Schauspielern, Sängern und Tänzern ausgebildet. Wir durften einer Gesangsprobe beiwohnen und eine Improvisationsübung begleiten. Die ausgezeichnete Betreuung durch die Studenten und die große Freude, mit der die Schüler diesen Programmpunkt wahrnahmen, hinterließ großen Eindruck.
Den Nachmittag konnten alle Teilnehmer im Schwimmbad der Universität verbringen.
Am Abend trafen sich alle betreuenden Lehrer zu einem Gedankenaustausch mit dem Freundeskreis Be’er Sheva-Wuppertal. Die unterschiedlichen Biographien der Mitglieder und deren Einblick in das Geschehen um Be’er Sheva lieferten interessanten Gesprächsstoff. Es wäre schön, wenn dieser Kontakt in Zukunft noch intensiviert werden könnte.


Donnerstag stand das meistbesuchte touristische Ziel in Israel, die Bergfestung Massada, über dem Toten Meer gelegen, auf dem Programm. Im Unterschied zum letzten Jahr fuhren die Busse die Rückseite von Massada über die Rampart Road an. Wir kletterten an den Überresten der römischen Belagerungsrampe entlang und wurden danach kompetent durch die Bauten der Nordseite des Festungsplateaus geführt.
Die Bedeutung Massadas ergibt sich aus dem Verhalten der jüdischen Verteidiger, die sich, um den römischen Angreifern nicht in die Hände zu fallen, selbst töteten. Dieses Verhalten wird als Teil der staatlichen Ideologie Israels angesehen, wurde aber in der Schülergruppe heftig diskutiert. An dieser Stelle unseres Aufenthaltes wurde spürbar, dass es tatsächlich massive Konflikte in der israelischen Gesellschaft gibt, wozu die Schüler Position bezogen.
Mit der Seilbahn fuhr die Gruppe zum Toten Meer hinunter, durfte aber, zur großen Enttäuschung, aus Sicherheitsgründen nicht ins salzhaltige Nass. Stattdessen führte uns ein Kollege zu einem unscheinbaren Bachlauf, der sich zu einem grünen Einschnitt in das Bergmassiv erweiterte, wo mehrere natürliche Becken zum Baden und Verweilen einluden.

Freitag wurde als „Fun Day in Tel Aviv“ angekündigt. In Jaffa, einer der ältesten Städte der Welt, konnten wir den Flohmarkt und in Tel Aviv einen Künstlermarkt in der Fußgängerzone besuchen. Bevor wir nach Hause zum Sabbat fuhren, hielten wir uns noch eine Stunde in einer Einkaufsmall auf.
Nach der Rückkehr verbrachten die Teilnehmer den Sabbat in den Familien – Stefan Mertens und ich wurden von Matty, Irit und den betreuenden Lehrern ausgeführt.

Samstag, der freie Tag: Auf gemeinsamen Wunsch aller begleitenden deutschen Lehrer führte uns Swetlana, eine israelische Kollegin, an das Tote Meer. Bei 42 Grad (sic!) verbrachten wir einen entspannten Morgen. Nachmittags wurden alle Kollegen bei Matty eingeladen, während die meisten Schüler den lokalen Erstligisten Hapoel Bee’er Sheva beim Abstiegskampf im Stadion unterstützten.


Sonntag ging es tagsüber nach Yad Vashem und Jerusalem, abends stand ein gemeinsames Barbecue zum Abschied in Makif Vaf auf dem Programm.
In Yad Vashem, der Gedenkstätte an den Holocaust, erfuhren wir eine ausgesprochen eindrückliche Führung in deutscher Sprache. Gemäß der Aufgabe der Gedenkstätte, den Opfern einen Namen zu geben, gelang es unserer Begleitung überall aus dem musealen Angebot einzelne Personen und Dinge hervorzuheben und anrührende, exemplarische Geschichten zu erzählen. Schüler aller drei Schulen hielten dazu noch eine kleine Gedenkfeier für den Elberfelder Armin T. Wegener, einem „Gerechten unter den Völkern“, an dem für ihn gepflanzten Baum ab. An diesem Tag zeigten sich alle Schüler von ihrer besten Seite auch Dank der tadellosen Organisation unserer israelischen Freunde.
Sonntag und Montag waren in diesem Jahr Feiertage zu Lag ba Omer, einem fröhlichen Erinnerungsfest, an dem überall in der Stadt nach dem Ende der Sabbatruhe offene Feuer angezündet werden. Schon Tage vorher sah man überall Kinder und Jugendliche mit Einkaufswagen Holz „organisieren“. Dem Geruch nach wanderte aber spät abends auch anderes Brennbare in das Feuer.

Vor dem Abflug am Montag hatten Stefan Mertens und ich noch ein wenig Zeit, die wir zum Besuch des nahegelegenen Negev Museum nutzten. Dort wurden in einer Fotoausstellung Bilder aus Be’er Sheva zwischen 1950 und 1979 gezeigt. In der angrenzenden alten Moschee wurde ergänzend eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Stadt vorgestellt.
Dann der tränenreiche Abschied und die Fahrt zum Flughafen. Diesmal ging es nicht so glatt: Obwohl alle diszipliniert zusammen blieben und auch die stichpunktartigen Kontrollen gut verliefen, wurden wir zu irgendeinem Zeitpunkt vom Zoll „vergessen“ und erst 30 Minuten vor Abflug durchgelassen.
Dank netter Touristen und Pilger, die die rennende Gruppen von erhitzen Schülern und Lehrern an allen möglichen Checks vorließen, haben wir dann alle – selbst Stefan Mertens – den Flug erreicht.

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